Dienstag, 26. August 2008

Mapuche heute

Mapuche heute- gefangen im gestern?

Augusto Pinochet Ugarte- allein der Name des Diktators erhitzt die Gemüter noch heute. Er ist und bleibt in der Geschichte Chiles ein quälender Stachel, den bis heute niemand ziehen konnte. Zu seinen Lebzeiten wurde der Diktator, der von 1973- 1990 eine grausame Gewaltherrschaft in Chile errichtete, nie rechtskräftig verurteilt. Die Leidtragenden, die Opfer von Verfolgung, Misshandlungen, Folter, Verschleppung, die Angehörigen von Ermordeten und oder Verschwundenen, viele von ihnen Mapuche, fordern Gerechtigkeit und Aufklärung.


Pinochets politisches Handeln hinterlässt in Chile vor allem für die indigenen Gemeinden der Mapuche einen allzu bitteren Nachgeschmack.


Ein Teil seines Erbes ist die Privatisierung der Wasservorkommen, die die Mapuche heute massiv beeinträchtigt. Staudämme wie Pangue und Ralco am Bío Bío- Fluss erscheinen wie eine Persiflage auf die Grenze des jahrhunderte langen Widerstandes des Mapuche Volkes. Denn einst war der Fluss Sinnbild für die entschiedene Gegenwehr der Mapuche gegenüber jeglicher Okkupationsversuche von Eroberern. Die Kriegsmacht der Inkas wie damals die der Spanier konnte über den Bío Bío- Fluss ihre Macht nicht ausbreiten.


In heutiger Zeit wurden die Mapuche allerdings von den großen Unternehmen, wie Endesa España und dem chilenischen Staat durch falschen Versprechungen betrogen. Sie wurden umgesiedelt, ihr altes Land wurde geflutet und die Staudämme errichtet. Sie wurden vertrieben von ihrem angestammten Ahnenland, von dort, wo sie seit Jahrtausenden ihre Traditionen, ihre Kultur lebten und ihre Toten begruben. Sie wurden zu Kriminellen gemacht, als sie verzweifelt versuchten ihr Land, ihre Geschichte, die sie mit diesem Land verbindet, zu verteidigen.


Das Anti- Terror- Gesetz, ein weiteres Überbleibsel der Diktatur, erlaubt es „Terrorverdächtige“ über Monate oder auch Jahre in Untersuchungshaft zu behalten. Meistens fallen diesem Gesetz politisch engagierte Mapuche zum Opfer, die für ihr Volk einstehen und mit Mitteln des zivilen Ungehorsams ihre Ländereien zurückfordern.


Das jüngste Beispiel ist die Inhaftierung der Filmemacherin Elena Varela López, die als Terrorverdächtige seit März fast ein halbes Jahr lang in Untersuchungshaft saß. Der Produzentin und Drehbuchautorin wird vorgeworfen Geldgeberin und Drahtzieherin von zwei Anschlägen im Jahre 2005 gewesen sein. Elene Varela arbeitete seit vier Jahren an einem Filmprojekt, das die Situation der Mapuche und ihren Konflikt mit den Forstgesellschaften zum Thema hat. In ihrem Dokumentarfilm „Newen Mapuche“ spricht sie mit vielen Betroffenen, vornehmlich Mapuche, deren Lonkos und Aktivisten die Notlage ihres Volkes beleuchten. Festgenommen wurde sie in ihrem Haus, alles wurde durchsucht und ihr gesamtes Filmmaterial der letzten Jahre konfisziert. Die Anschuldigungen gegen sie waren haltlos und so verkündete der Richter, dass kein belastendes Material gegen sie vorläge und entließ sie aus der Haft.


Die Landfrage bietet hochexplosiven Zündstoff. Gab man den Mapuche unter Allende fast 7000 ha Land zurück, so nahm man ihnen unter Pinochet weit mehr Land weg als sie erhalten hatten. Heutzutage müssen sich die Mapuche mit etwa 1 ha pro Familie zufriedengeben, wobei ausgerechnet wurde dass für die Subsistenzwirtschaft etwa 36 ha Boden von Nöten wären.


Die Landknappheit treibt viele Mapuchefrauen in die Städte, in denen sie versuchen sich als Nanas (Kindermädchen) oder Hausbedienstete durchzuschlagen. Dort, fernab ihrer Gemeinschaften und ihrer Kultur, verlieren sie ihre Traditionen und entfernen sich immer weiter von ihrem Volk. Auch die tagtäglichen Diskriminierungen durch die „Chilenen“, die die Mapuche Kinder bereits in der Schule erleiden müssen, tragen dazu bei, dass sich das Volk ihrer Traditionen und ihres Indígena- Seins schämen. Schulkinder werden wegen ihrer Mapuche Nachnamen und ihrer dunkleren Hautfarbe verspottet, sodass Eltern oftmals dazu neigen ihren Kindern spanische Namen zu geben und mit ihnen nicht mehr in ihrer eigenen Sprache, dem Mapudungun zu reden.


Ihre Sprache war in der Diktaturzeit verboten. Von den etwa eine Million Mapuche in Chile und den 250.000 in Argentinien sprechen oder verstehen heute etwa die Hälfte Mapudungun.


Obwohl sich die chilenische Gesellschaft größtenteils mit den Mapuche vermischt hat, bestehen die meisten auf ihren spanischen Vorfahren und bezeichnen die Mapuche als faule und dumme Trunkenbolde. Diese abschätzige Sichtweise auf die Indigenen hat sich in den Köpfen der Menschen, Chilenen wie Mapuche, so eingebrannt, dass viele ihre Wurzeln vehement leugnen und als eine Art Autoaggression die Vorurteile gegen Mapuche immer weiter tradieren. Im Ergebnis verschwindet die Mapuche Identität zusehend, da viele von ihnen keinen Sinn in der Erhaltung ihrer Traditionen sehen. Viele nehmen sogar den Standpunkt ein, dass ihre eigene Kultur veraltet und steinzeitlich sei.


Allerdings sind nicht alle dieser Meinung. Gerade junge Mapuche stehen immer häufiger und nachdrücklicher zu ihrer Herkunft. Diese neue Generation strebt die Wiedererlangung alter Werte und Traditionen an. Netzwerke werden im Internet weltweit von Tag zu Tag weiter gesponnen und die Interessenten und Unterstützer werden immer zahlreicher. Aufrufe gehen durch das World Wide Web, sich auf seine Wurzeln zu besinnen, selbst wenn man sich weit weg von Wallmapu oder Puelmapu, dem chilenischen bzw. argentinischen Land der Mapuche, befindet. Programme und Kurse per Internet werden gratis zum runterladen angeboten, um die Mapuche Sprache zu lernen und man wird ermuntert tiefer in die Kultur einzutauchen und gegen ihr Verschwinden anzukämpfen.

Mittlerweile blüht und gedeiht diese neue indigene Jugendbewegung und junge Künstler schließen sich in Künstlerkollektiven zusammen, um durch ihre Werke auf sich aufmerksam zu machen. Zum Beispiel entstehen neue Bands, die in Mapudungun rappen, Gedichtwettbewerbe, die auf Mapudungun ausgetragen werden sollen, werden ausgeschrieben oder es werden neue Kulturzentren ins Leben gerufen.


Das Erbe Pinochets wiegt bis heute schwer, doch hält es die immer größer werdende Mapuche Bewegung nicht auf, ihren Kampf für Identität, Land und Gerechtigkeit weiterzuführen.

1 Kommentar:

Unknown hat gesagt…

NO IMMUNIDAD PA PINOCHET.
(este hijo de *&^$%#!!)